Schiffbruch mit Zuschauer
unser name war mittelmeer, wir fraßen und fraßen
Aspekte Festival Salzburg
Neue Galerie Lehen
11.März 2026, 21.00 Uhr
Blumenberg-Tage 2026
Großer Minoritensaal Graz
14. März 2026, 19.00 Uhr
Reaktor Wien
Großer Saal
17.März 2026, 19.30 Uhr
Auftragswerk des Kulturzentrum bei den Minoriten Graz anlässlich der Blumenberg-Tage 2026

büro lunaire Konzept und Dramaturgie
Stefan Schmitzer Text
Katastrophen werden in unserer Gegenwart vor allem als Bilder konsumiert und scheinen stets woanders stattzufinden – fern und zugleich permanent verfügbar. Schiffbruch mit Zuschauer fragt nach der Rolle des Betrachtens und danach, ob es heute noch eine unschuldige Position des Zuschauens geben kann. Ausgehend von Hans Blumenbergs Denkfigur des Schiffbruchs untersucht das Live-Hörspiel das Spannungsfeld zwischen Beobachtung und Beteiligung, zwischen Distanz und Verstrickung. Im Aufführungsraum, der gleichsam zum Schiff wird, geraten Wahrnehmung, Nähe und Distanz in Bewegung. Narration und Klang öffnen eine Struktur aus Wiederholung und Veränderung, in die das Publikum unmittelbar einbezogen ist.
Kompositionen
Alexander Bauer Prolog (2026)
für Stimme, Flöte, Posaune, Schlagwerk und Live-Elektronik
Tímea Urban Flut (2026)
für Stimme und Elektronik
Florian Kindlinger Das Erhabene (2026)
für Stimme, Zuspielung und Live-Elektronik
Florian Kindlinger Einschübe II-IV (2026)
Sounddesign
Germán Toro Pérez Exit-Maschine (2026)
für Stimme und Bassflöte
Tímea Urban doma (2026)
für Stimme, Flöte, Posaune, Schlagwerk und Elektronik
Reinhold Schinwald Verwirbelungen Ib (2026)
für Stimme, Posaune und Live-Elektronik
Florian Kindlinger Finale (2026)
für Stimme, Tape und Live-Elektronik
Alexander Bauer Epilog (2026)
für Stimme, Flöte, Posaune, Schlagwerk und Live-Elektronik
Besetzung
Gina Mattiello Stimme, Performance, Text (Einschübe I-IV)
Reinhold Schinwald Klangregie, Live-Elektronik
Elisa Azzarà Flöte
Pablo Marin-Reyes Posaune
Philipp Lamprecht Schlagwerk
Benedikt Alphart Klangregieassistenz, Tontechnik
Alexander Bauer Live-Elektronik
Florian Kindlinger Live-Elektronik
Tímea Urban Elektronik
Benedikt Alphart Klangregieassistenz, Tontechnik
Flora Miranda Kostüm
Katastrophen werden in unserer Gegenwart vor allem als Bilder konsumiert und scheinen stets woanders stattzufinden, fern und zugleich permanent verfügbar. Die Zuschauenden verlieren sich in diesen Bildern, werden zu Beobachtenden und unmerklich Teil eines Systems, das diese Bilder hervorbringt. Die zentrale Frage lautet daher: Was bedeutet es, Katastrophen zu betrachten, ohne selbst betroffen zu sein? Gibt es in der Gegenwart überhaupt noch eine unschuldige Position des Zuschauens, oder ist der Blick immer schon verstrickt in mediale, politische und ästhetische Zusammenhänge?
„Es ist eine Lust, sicher an Land den Schiffbruch anderer zu betrachten.“ Mit dieser berühmten Sentenz von Lukrez eröffnet Hans Blumenberg seine Untersuchung des Schiffbruchs als Denkfigur der abendländischen Philosophie. In „Schiffbruch mit Zuschauer“ beschreibt er, wie sich im Bild des Untergangs die großen Fragen nach Ordnung, Wissen und Existenz bündeln. In der Antike veranschaulicht der Schiffbruch die kosmologische Stellung des Menschen. In der Neuzeit jedoch wird er zur Metapher für die Unsicherheit menschlicher Existenz. Der Philosoph verfolgt in seiner Arbeit, wie der Mensch sich selbst und sein Verhältnis zur Welt bestimmt: zwischen Bedrohung und Beobachtung, zwischen Handeln und Denken.
Der Autor Stefan Schmitzer wurde beauftragt einen Text zu verfassen, der Blumenbergs Überlegungen reflektiert, weiterschreibt und die Grundlage für dieses Live-Hörspiel bildet. Ausgangspunkt ist dabei eine radikale Verschiebung der Perspektive: Nicht der distanzierte Blick auf den Untergang steht im Zentrum, sondern die Erfahrung einer kollektiven Beteiligung. Schmitzer macht diese Verstrickung offen sichtbar: Das Zuschauen erscheint hier nicht mehr als moralisch unbeteiligt, sondern als Teil eines konsumierenden Wir. Der Text insistiert auf der Unmöglichkeit einer klaren Trennung zwischen Beobachtung und Teilnahme.
Diese Verschiebung setzt sich im Aufführungsraum fort. Der Raum wird selbst zum Schiff: Das Publikum sitzt einander gegenüber und beobachtet sich gegenseitig. Die Performerin bewegt sich um ein in der Mitte positioniertes Kunstkopfmikrofon: ihre Stimme und die der Instrumente werden live über Funkkopfhörer übertragen. So entsteht ein Wechselspiel von Nähe und Distanz, von Innen- und Außenwahrnehmung, in das das Publikum unmittelbar einbezogen ist. Das Setting spielt mit unterschiedlichen Wahrnehmungs-perspektiven und eröffnet verschiedene Identifizierungsmöglichkeiten.
Kompositionen wurden gefördert von:
Alexander Bauer – Stadt Salzburg
Florian Kindlinger – SKE-Fonds
Reinhold Schinwald – BMWKMS
Tímea Urban – SKE-Fonds und MA 7-Kultur
https://kindlinger.klingt.org/
www.alexanderludwigbauer.wordpress.com
www.urbantimej@gmail.com">www.urbantimej@gmail.com
Ein Produktion von buro lunaire
Auftragswerk von Kulturzentrum bei den Minoriten Graz in Kooperation mit Aspekte Festival, Sweet Spot und Reaktor Wien.